Neue Serienpiloten

Heute möchte ich kurz und knapp ein paar neue Piloten vorstellen und euch meine Einschätzung dazu geben. Natürlich lässt sich der Erfolg, geschweige denn die Qualität einer Serie, letztendlich nicht nur anhand der ersten Folge abschätzen. Allerdings soll ein Pilot die Zuschauer aber schon mal grob auf die wichtigsten Aspekte und Charaktere einer Serie einstimmen und wird deshalb in der Regel aufwendig gestaltet (Flimmerkistendialog). Darüber hinaus fällt für die meisten in der ersten Folge die Entscheidung, ob man die Serie weitergucken möchte, weil man Potential sieht oder eben nicht. Daher hier mal ein paar erste Eindrücke von mir zu neuen Piloten:

Dear White People
Nachdem an ihrer Elite-Universität eine Blackface-Party gefeiert wurde, holt die Studentin Samantha White zum Gegenschlag in ihrer Radioshow aus, womit sie eine kleine Lawine in Gang setzt, die nicht nur ihr eigenes Leben verändern soll.

Schon der Pilot erweckt den Eindruck, dass es sich bei „Dear White People“ vor allem um eine Charakter oder besser gesagt um eine Milieustudie handelt. Der eigentliche Aufhänger des Konflikts – die Blackface-Party – rückt damit fast schon etwas in den Hintergrund, denn sie ist vielmehr das Symptom eines gesellschaftlichen Problems, das viele für bereits überwunden halten: Rassismus. Dass es jedoch nicht nur um ethnische Konflikte zwischen den Studenten, sondern auch um Selbstfindung, Identität und Selbstbestimmung geht, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass – sorry für den Spoiler – die Kernhandlung der ersten Folge sich im Prinzip in der zweiten wiederholt – nur aus einer anderen Perspektive.
Etwas schade ist lediglich, dass sich hier und da doch so einige Klischees unter den Figuren entdecken lassen. Nichtsdestrotz bietet „Dear White People“ einen genauen Blick auf aktuelle Probleme unserer Zeit, ein großes Inventar an Figuren und Perspektiven und so einige Momente zum Schmunzeln.

Einschätzung: Für alle, die auch „Orange Is The New Black“ mögen.


Tote Mädchen lügen nicht (englischer Titel: „13 Reasons why“)
Die Schülerin Hannah Baker ist tot. Sie hat sich umgebracht. Ihre Schule befindet sich daher regelrecht in Schockstarre. Als ihr Mitschüler Clay Jensen ein mysteriöses Paket erhält, muss er jedoch feststellen, dass einiges anders ist, als es scheint. Auf dieser Kassette wendet sich Hannah direkt an ihn und stellt ihre Gründe für ihren Suizid dar. Und Clay ist einer davon …

Die US-amerikanische Serie, die auf dem Roman von Jay Asher basiert, hat meiner Ansicht nach wie viele Serien einen etwas unschönen deutschen Titel bekommen. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Ansonsten zeigt sich schon im Piloten eine deutliche Erzählstruktur: Während Clay in der Gegenwart die Kassetten hört, sieht der Zuschauer zudem Rückblenden aus Clays und Hannahs Vergangenheit. Schon in der ersten Folge zeigt sich also einer der Gründe, die Hannah auf ihren Weg zum Suizid gebracht haben. Hier ist die Spannung zunächst nicht so besonders hoch, es zieht sich etwas bis zur Auflösung, die schließlich unweigerlich Mitleid und Sympathie für das junge Mädchen hervorruft.
Die kontrovers diskutierte Serie (Moviepilot) hat nicht zuletzt in Amerika für einen Aufschrei gesorgt, zeigt aber in der ersten Folge aus meiner Sicht noch keinen direkten Grund, um auf die Barrikaden zu gehen, sondern legt ruhig und stringent die ersten Fährten für alles, was noch kommen mag, also ohne Selbstmord zu verherrlichen.

Einschätzung: Für Fans von „Pretty Little Liars“, „Desperate Housewives“ u. ä., nur noch düsterer.


American Gods
Nachdem seine Frau tödlich verunglückt ist, wird der wegen eines Raubüberfalls einsitzende Shadow Moon früher aus dem Gefängnis entlassen. Auf seinem Weg zur Beerdigung läuft der abgebrannte Ex-Knacki dem mysteriösen Wednesday über den Weg, der ihn als Leibwächter einstellt.

Eigentlich lässt sich zur ersten Folge noch viel mehr sagen und schreiben, doch ich werde es an dieser Stelle kurz halten, denn die auf dem Roman von Neil Gaiman aus dem Jahr 2001 basiert, hat es in sich. Wer sich schon bei „Game of Thrones“ im Angesicht von Blut- und Sexorgien übergeben bzw. schamesrot den Raum verlassen muss, ist hier wohl fehl am Platz, denn „American Gods“ dreht diesbezüglich noch etwas weiter an der Schraube. Zudem gestaltet sich die erste Folge einigermaßen unübersichtlich, denn die Macher werfen ihre Zuschauer in den ersten Szenen in eine andere Zeit ohne das Gezeigte weiter zu erklären. Die Bildsprache in „American Gods“ wechselt zudem eben so schnell wie der Erzählstrang und erinnert zudem ein wenig an die Optik von „Sparta“.
Erst im Laufe der ersten Folge schlüsselt sich allmählich die Bedeutung der einzelnen Momente auf und man bekommt langsam einen Eindruck, wer Wednesday (Ian McShane aus „Fluch der Karibik 4“) sein könnte und was es mit den WIkingern in den ersten 10 Minuten auf sich hatte.

Einschätzung: Für Fans von „Game of Thrones“, die noch etwas mehr Blut und Sex aushalten können.

sjr

The Good Wife – Staffel 7

Mit der siebten Staffel endet die preisgekrönte Serie „The Good Wife“, die nun seit 2009 über die Bildschirme flimmert und augenscheinlich diverse Parallelen in der realen Politik hat. Hier mal ein kurzer Blick auf die Pro- und Kontra-Seiten der neuen und letzten Staffel über die toughe Anwältin Alicia Florrick (Julianna Margulies). An alle, die die Staffel noch nicht kennen: Vorsicht Spoiler!

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Fantasy Film Fest: The Belko Experiment

Dieses Mal habe ich es wegen des guten Wetters nicht geschafft, wirklich viele Filme des „FFF“ zu sehen und kann euch daher nur von einem berichten: The Belko Experiment.
Hier mal ein kurzer Abriss der Handlung: Die Angestellten der Firma „Belko Industries“ staunen nicht schlecht, als eines Morgens Kontrollen am Firmeneingang durchgeführt werden, die dazu führen, dass nur ein Teil der Angestellten aufs Gelände gelassen werden. Dass das einen Grund hat, den sie lieber nicht herausgefunden hätten, wird spätestens klar, als die Fenster automatisch verschlossen werden und sie per Sprechanlage befohlen bekommen, zwei ihrer Kollegen zu töten. Die Alternative, sollte dieser Order nicht Folge geleistet werden, sollen die Angestellten alsbald kennen lernen …

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Pirates of the Caribbean 4 – Fremde Gezeiten

Ab 25. Mai startet der fünfte Teil der Piraten-Saga mit Johnny Depp als Pirat Jack Sparrow in den deutschen Kinos. Um mich in Karibik-Stimmung zu bringen habe ich mir daher den vierten Film der Reihe nochmal angesehen und muss gestehen: Ich bin doch irgendwie entäuscht. Woran das liegt, versuche ich mal in der folgenden Kritik zu ergründen.

Aber von vorn: Nachdem er seinen Kumpel Joshamee Gibbs vor dem Strang bewahrt hat, gerät Jack Sparrow in die Hände des britischen Königs George II. (Richard Griffiths, a. k. a. Vernon Dursley aus den Harry Potter-Filmen). Dieser ist auf der Suche nach der Quelle der ewigen Jugend und beabsichtigt, Jack unter der Flagge von Kapitän Barbossa (Geoffrey Rush) nach der Quelle suchen zu lassen. Natürlich hat Jack als andere im Sinn als sich unter dem Kommando seines Erfzfeindes auf die tödliche Expedition zu geben. Stattdessen kollidiert er auf der Flucht mit einer ehemaligen Geliebten, der Piratenbraut Angelica (Penélope Cruz), die es ebenfalls auf die Quelle abgesehen hat. Weiterlesen

Fantasy Film Fest Nights

Liebe BlogleserInnen,
heute startet das Fantasy Film Fest in Nürnberg, München, Köln, Frankfurt und Stuttgart und es läuft noch bis zum 30.4.2017!
Für alle, die diese Variante noch nicht kennen: Das ist sozusagen die Mini-Variante des großen Fantasy Film Fests, das in der Regel im Sommer zeitversetzt in verschiedenen Städten stattfindet. Ergo gibt es zwar nicht so eine große Auswahl, aber trotzdem ist wieder so einiges Interessantes aus den Genres Thriller, Horror, Sci-Fi und Fantasy dabei, wobei auch Fans von Splatter und blutiger Komik auf ihre Kosten kommen dürfen.
Diesmal im Angebot sind folgende Filmchen:

1) „Alone„: Läuft unter utopia und fantastic und macht hinsichtlich seines Plots einen sehr mysteriösen Eindruck, sodass man nur hoffen kann, dass die Auflösung des Rätsels sich lohnt.

2) „The Bar„: Horrorthriller aus Spanien, der mit den Attributen crazy und funny beworben wird.

3) „The Belko Experiment„: Der Plot dieses amerikanischen Streifens erinnert ein wenig an „Saw“ und läuft unter hardcore .

4) „Berlin Syndrome„: Ein australischer Thriller, der – wenn man der Werbung Glauben schenkt – die Opferperspektive schonungslos darstellt. Dürfte also heftig werden.

5) „Eat local„: Echte Vampire (also ohne Glitzer) kämpfen um ihr Überleben und greifen dabei auch mal auf Maschinengewehre zurück. Mehr muss ich wohl nicht sagen?

6) „Going to Brazil„: Ein franzsösischer Thriller, dessen Trailer ein wenig an „Hangover“ erinnert. Nur in schamloser.

7) „It Stains the Sands Red„: Eine Frau und ein Mann in der Wüste auf der Flucht vor Zombies. Der Titel kündigt ja schon an, dass es hier einiges an Splatter geben dürfte …

8) „The Limehouse Golem„: Mein persönlicher Favorit, denn es klingt nach einem Gruselstreifen im vernebelten London des 19. Jahrhunderts.

9) „Sweet, sweet lonely Girl„: Mysteriöser Thriller aus Amerika, der v. a. mit seinem Soundtrack punkten dürfte.

10) „Pet„: Für alle, die nach „Berlin Syndrome“ noch mehr wollen, gibt es „Pet“, einen fiesen Horrorthriller über eine Frau und ihren Entführer.

Das für eure Stadt passende Programm mit den jeweiligen Laufzeiten findet ihre unter: http://www.fantasyfilmfest.com/dt/FFFWNfilme.html
Ich werde mir auch ein paar davon ansehen und euch dann berichten.

Viel Spaß beim Reinschauen!

Eure Sajuri

Der Modern-Faktor

Ich habe mir kürzlich mal wieder ein paar von den älteren Staffeln von „Modern Family“ angesehen und mich gefragt: Was macht diese Serie eigentlich so beliebt, dass sie sogar Emmys einheimst? Anders gefragt: Gibt es nicht schon genügend Serien, die sich mit dem Thema Familie auseinandersetzen? Ich versuche es mal mit Hilfe von drei Zitaten aus der Serie zu erklären, die verdeutlichen, was „Modern Family“ seit acht Staffeln zum Publikumsliebling macht:

Gloria: ‚Also in meinem Land sind die Männer stolz darauf, körperlich zu arbeiten.‘
Jay: ‚Ich weiß, darum engagiere ich Arbeiter aus deinem Land.‘
Gloria: ‚Du bist lustig. Das muss ich meinem nächsten Mann erzählen, wenn wir all dein Geld verprassen.‘

Alex: ‚Luke steckt wieder mit dem Kopf im Treppengeländer fest.‘
Phil: ‚Ich geh schon. Wo ist das Babyöl?‘
Claire: ‚In meiner Nachttischschub- ich weiß nicht, du musst suchen!‘

Mitchell: ‚Wir waren nicht nur zum Vergnügen in Vietnam. Wir haben Riesenneuigkeiten.‘
Jay: ‚Oh Gott, wenn Cam jetzt mit Titten rauskommt, bin ich weg.‘ Weiterlesen

Warum La la Land ein guter Film ist und ich ihn trotzdem nicht mag

„La la Land“ –  preisgekrönte Romanze, Oscar-Kandidat und Hommage an die Hochzeit des Musicals. Mit welchen Titeln und Umschreibungen sich dieser Film wohl nicht schmücken kann? Nachdem das Musical über ein Künstlerpärchen, das von der großen Karriere träumt, bei den Golden Globes reihenweise Trophäen eingesammelt hat, gibt es wohl kaum Zweifel darüber, dass es auch so einige Oscars regnen wird.

Ich habe endlich die Zeit gefunden, mir den ‚Geniestreich‘ von Regisseur Damien Chazelle anzusehen und möchte euch kurz berichten, warum ich mit diesem hochgelobten Film irgendwie trotzdem nicht warm geworden bin.

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Golden Globes 2017 im Medienspiegel

Nachdem sich schon auf der Oscarverleihung 2016 mit ernsteren Themen befasst wurde, sind nun auch die Golden Globes politisch geworden. Besonders in Erinnerung bleiben wird die bewegende Rede von Meryl Streep, in der sie offen Trump kritisierte. Dieser musste natürlich umgehend per Twitter zurückschießen, denn als zukünftiger Präsident der USA hat man nichts Wichtigeres zu tun.
Doch mit ihrer Kritik war Mery Streep nicht alleine – auch Hugh Laurie („The Night Manager“) sah sich zu einigen sarkastischen Seitenhieben gegen den neuen Präsidenten veranlasst. Insgesamt war bei den Golden Globes dieses Jahr also deutlich zu spüren, wie tief der Schock über den Ausgang der US-Wahlen noch sitzt.

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